White‑Label Webentwicklung für Agenturen: Von Briefing und Design‑to‑Dev bis zum Go‑Live
15.11.2025Dieser Leitfaden zeigt, wie Agenturen die Übergabe, den modularen Scope, Architektur und Compliance sowie Delivery und Launch so strukturieren, dass Projekte planbar, effizient und rechtskonform in Deutschland umgesetzt werden. Er beschreibt konkrete Checklisten und Templates (DoR/DoD, Ticket- und Change-Request-Mechanik), deutschlandspezifische Anforderungen (DSGVO/TTDSG, Preisangaben‑VO, Steuern, Payments) und ein belastbares Delivery‑Setup bis zur Abnahme. So reduzieren Sie Reibung, sichern Qualität und halten Budgets transparent – ob als Generalunternehmer oder im Teilprojekt mit eigenem Dev‑Team und Tech‑Partner. Ideal für Marketing‑, Design‑ und Werbeagenturen sowie Reseller, die Webseiten und Onlineshops für Endkundschaft in Deutschland liefern.
Je sauberer die Übergabe von Ihrer Agentur an den Tech‑Partner, desto weniger Reibung und Nachfragen im Projektverlauf. Der Schlüssel ist ein eindeutiges, vollständiges Paket aus Zielen, Inhalten und Entscheidungen – nicht nur ein schönes Design.
Was Ihre Agentur liefert:
- Projektziele und KPIs: Launch‑Termin(e), Umsatzziele, Conversion‑Ziele, SEO‑Ziele, Core‑Web‑Vitals‑Zielwerte.
- Funktionsumfang: Pflicht/Muss, Soll, Kann – pro Shop‑Bereich (Katalog, Suche, Produktdetail, Warenkorb, Checkout, Kundenkonto, CMS‑Seiten).
- Systemlandschaft: bestehende Tools, Schnittstellen, Datenflüsse (ERP, PIM, CRM, Versand, Payment, Steuern).
- Rechtliches/Compliance: DSGVO/TTDSG‑Vorgaben, CMP/Consent, Tracking‑Scope, Impressum/Datenschutz/AGB/Widerruf.
- Content‑Rahmen: Navigationsstruktur, Seiten‑ und Komponenten‑Inventar, Tonalität, Bildsprache.
- Performance/SEO‑Leitplanken: Zielmärkte (DE), Sprachen, Schema.org, Canonicals, Weiterleitungsregeln.
- Barrierefreiheit: Ziel‑Konformitätsniveau (z. B. WCAG 2.2 AA/BITV 2.0), Marken‑Kontrastvorgaben.
Design‑to‑Dev‑Übergabe (empfohlen in Figma/XD + Repo):
- Designsystem: Design‑Tokens (Farben, Typo, Spacing), Komponenten mit Zuständen, Variants.
- Interaktionen: Motion‑Specs, Hover/Focus/Active‑Zustände, Keyboard‑Flows, Fehlermeldungen.
- Assets: Bildformate (WebP/AVIF), SVG‑Icons, Lottie/JSON, Exportgrößen und ‑regeln.
- Copy/Texte: Platzhaltertexte vermeiden; final oder finalnah, inkl. Microcopy und Fehlermeldungen.
- Accessibility‑Hinweise: Semantik (Heading‑Struktur), ARIA, Fokus‑Reihenfolgen, Alternativtexte.
- Tracking‑Spezifikation: Events/Parameter, Consent‑Status, Datenminimierung, Aufbewahrung.
- SEO‑Spezifikation: Metafelder, strukturierte Daten, hreflang (falls relevant), Redirect‑Matrix.
Übergabe‑Checkliste (Template):
- Scope‑Matrix (Muss/Soll/Kann) je Seite/Flow
- Akzeptanzkriterien pro Feature
- Datenquellen/Datenziele inkl. Feldmapping
- Nicht‑funktionale Anforderungen (Performance, Security, Accessibility)
- Abhängigkeiten und Risiken
- Ansprechpartner, Rollen, Verfügbarkeit
- Zeitplan mit Meilensteinen, Content‑Freeze‑Fenstern
Ticket‑Template (für Backlog; pro Feature):
- User Story: Als [Rolle] möchte ich [Ziel], um [Nutzen].
- Akzeptanzkriterien: Gherkin‑Stil Given/When/Then.
- Design‑Referenzen: Figma‑Links auf Frames/Komponenten.
- Tech‑Notizen: Schnittstellen, Datenmodelle, Constraints.
- Tracking/SEO: Events, Metafelder, Markup.
- Testfälle: Positiv/Negativ/Edge.
- DoD‑Ergänzungen: Docs, Screenshots, Changelog.
- Aufwandsschätzung: Story Points und Stundenbandbreite.
- Abhängigkeiten/Blocker.
So entsteht aus Kreativ‑Output eine ausführbare, testbare Grundlage – und Ihr Tech‑Partner kann unmittelbar in die Zerlegung und Schätzung gehen.
2) Modularer Scope, belastbare Schätzung und Änderungsmechanik
Komplexität sinkt, wenn Funktionen in unabhängige, lieferbare Module geschnitten werden. Das erhöht Planbarkeit und ermöglicht paralleles Arbeiten – auch mit Ihren eigenen Entwicklerinnen und Entwicklern.
Vorgehen zur Scope‑Zerlegung:
- Epics → Features → User Stories → Tasks: klare Schnittstellen, möglichst geringe Kopplung.
- Risikobasierte Priorisierung: zuerst kritische Integrationen (z. B. Payment/Checkout).
- Abhängigkeiten sichtbar machen: Datenflüsse, Drittsystem‑Latenzen, Release‑Fenster.
- Definition of Ready (DoR): nur reife Tickets kommen ins Sprint‑Planning.
- Definition of Done (DoD): umfasst Qualität, Dokumentation und Deployments – nicht nur „funktioniert auf meinem Rechner“.
DoR‑Checkliste (Auszug):
- Klarer Business‑Wert und Priorität
- Vollständige Designs und Akzeptanzkriterien
- Schnittstellen geklärt, Testdaten vorhanden
- Compliance‑/Tracking‑Vorgaben enthalten
- Abhängigkeiten adressiert, keine offenen Blocker
DoD‑Checkliste (Auszug):
- Code reviewed, Tests grün (Unit/Integration/E2E)
- Accessibility geprüft (kontrast, Fokus, Screenreader‑Flows)
- Performance‑Budget eingehalten
- Dokumentiert (Readme, Admin‑Guide, Changelog)
- Auf Staging deployt, Abnahmeprotokoll vorhanden
- Rollback‑Pfad definiert
Schätzen und Budget:
- Kombination aus Story Points (Komplexität) und Stundenbandbreite zur Budgetierung.
- Unsicherheitsaufschläge je Risikokategorie (z. B. +10–30% für Drittsysteme ohne Sandbox).
- Beispiel‑Kalkulation (Richtwerte): 95 €/h Entwicklung, 105 €/h Beratung/Architektur. Transparente Burn‑Down/Burn‑Up‑Charts und Wochenreports sichern Nachvollziehbarkeit.
Change‑Request‑Mechanik (CR):
- Auslöser: neue/erweiterte Anforderungen, gesetzliche Änderungen, Design‑Änderungen.
- Vorgehen: 1) CR‑Ticket mit Business‑Impact, Akzeptanzkriterien, Deadline 2) Impact‑Analyse: Aufwand, Risiko, Abhängigkeiten 3) Entscheidung: Re‑Priorisierung im Backlog, separates Budget, oder Verschiebung 4) Kommunikation: aktualisierte Roadmap und Effekte auf Meilensteine
- Template‑Felder: Beschreibung, Nutzen, Priorität, Aufwand (h), Kosten, Auswirkungen auf MVP/Go‑Live, Genehmiger.
Dieses Governance‑Set macht Lieferumfang, Qualität und Änderungen kontrollierbar – ohne das Tempo zu verlieren.
3) Architektur und Compliance: das belastbare Fundament
Architekturentscheidungen bestimmen Tempo, Kosten und Betriebssicherheit. Für deutsche Agenturen und Reseller sind dabei Integrationsfähigkeit, Rechtssicherheit und Performance zentral.
Systemauswahl und Integrationsmuster:
- Shop‑Plattform: Kriterien sind Time‑to‑Market, Headless‑Fähigkeit, Ökosystem (z. B. Shopware 6, Shopify, WooCommerce, Adobe Commerce), Mehrsprachigkeit, B2B‑Features.
- Integrationen: Event‑getriebene oder API‑basierte Kopplung; Queue/Retry‑Logik; Idempotenz.
- ERP/WAWI: SAP, Microsoft Dynamics 365 BC, JTL‑Wawi, plentymarkets, Lexware – Feldmapping für Preise, Bestände, Auftragsstatus.
- PIM: Akeneo, Pimcore – Attribut‑Schemata, Varianten, Media‑Assets, Workflows.
- CRM: HubSpot, Salesforce – Lead‑Sync, Double‑Opt‑In, Consent‑Felder.
- Payments: PayPal, Klarna, Stripe, giropay, Sofort, Kreditkarten, SEPA; Hosted‑vs‑API‑Zahlungen, SCA/3‑D‑Secure, PCI‑Scope minimieren (SAQ‑A bevorzugt).
- Versand/Logistik: DHL, DPD, GLS, Hermes; Label‑Erstellung, Tracking‑IDs, Schnittstellen für Versandklassen; Pick/Pack/Ship‑Prozesse.
- Steuern: OSS/EU‑Umsatzsteuer, differenzierte Sätze DE, USt‑ID‑Prüfung (VIES), Netto/Brutto‑Preisanzeige, Grundpreise gemäß PAngV.
DSGVO/TTDSG‑ und Tracking‑Konformität (keine Rechtsberatung):
- Consent Management Platform (CMP): saubere Kategorisierung, opt‑in/opt‑out, dokumentierter Consent‑Log.
- Tracking‑Architektur: serverseitiges Tagging, Datenminimierung, IP‑Anonymisierung, Aufbewahrungsfristen.
- Auftragsverarbeitung (AVV) mit Subprozessoren, Datenlokation EU/EEA.
- Pflichtseiten und Hinweise: Impressum, Datenschutz, AGB, Widerruf, OS‑Plattform‑Link.
- E‑Mail‑Double‑Opt‑In, Newsletter‑Consent, Remarketing nur mit gültigem Consent.
- Cookie‑Banner‑Tests: rechtliche Texte, Zustimmungsraten, Degradierung bei „Ablehnen“.
Performance/SEO:
- Core Web Vitals: LCP, INP, CLS – Budget je Template definieren.
- Renderingstrategie: CSR/SSR/ISR; Caching, Edge/ CDN.
- Media‑Optimierung: WebP/AVIF, Responsive Images, Lazy‑Loading, preconnect/prefetch.
- Suche/Filter: indexierbare Ergebnisse, SEO‑freundliche URLs, Facetten‑Noindex.
- Technische SEO: Canonicals, hreflang (falls mehrsprachig), strukturierte Daten (Product, Breadcrumb, Organization), XML‑Sitemaps, Robots‑Regeln, 301‑Redirect‑Matrix.
Accessibility (A11y):
- WCAG 2.2 AA/BITV 2.0 als Zielniveau.
- Tastaturbedienbarkeit, Fokus‑Management, ausreichende Kontraste, beschreibende Labels.
- Tests mit Screenreadern (NVDA/JAWS), Zoom/High‑Contrast‑Modi, Fehlerbehandlung mit ARIA‑Live.
Mit diesen Entscheidungen legen Sie die Basis für einen Shop, der schnell, rechtskonform und skalierbar ist – und der sich nahtlos in die Systemlandschaft Ihrer Kundinnen und Kunden in Deutschland einfügt.
4) Delivery, Qualität und Launch: vom Sprint zur stabilen Veröffentlichung
Ein belastbares Delivery‑Setup nimmt Komplexität aus dem Tagesgeschäft und schafft Vertrauen bei Ihren Endkundinnen und Endkunden.
Agiles Sprint‑Setup:
- Rollen: Product Owner auf Agenturseite; Tech Lead/Architekt und Entwicklerteam auf Partnerseite; Projektmanager/Scrum Master als Taktgeber.
- Kadenz: zweiwöchige Sprints, wöchentlicher Delivery‑Sync, täglicher asynchroner Status.
- Zeremonien: Backlog‑Refinement (DoR‑Pflege), Sprint‑Planning, Review mit Demo, Retrospektive mit Maßnahmen.
Umgebungen und Daten:
- Environments: Lokal → Integrations‑Staging → UAT‑Staging → Produktion.
- Testdaten: DSGVO‑konform (Anonymisierung), synthetische Zahlungs‑/Versanddaten, Sandbox‑Konten.
- Feature Flags: risikoarmes Ausrollen, Canary Releases, A/B‑Tests.
QA‑ und Teststrategie (Template):
- Unit‑Tests (Kernlogik), Integrations‑Tests (APIs/Flows), E2E‑Tests (Checkout, Login, Retouren).
- Accessibility‑Checks: automatisiert (axe) + manuell.
- Performance‑Checks: Lighthouse/ WebPageTest mit Budget‑Gates in CI.
- Security‑Checks: Dependency‑Scanning, SAST/DAST, Secrets‑Monitoring.
- Abnahmeprotokolle pro Feature; Fehlerklassifikation (P0‑P3) mit SLAs.
CI/CD‑ und Deployment‑Checkliste:
- Branch‑Strategie: Trunk‑Based oder kurzes Gitflow; verpflichtende Code‑Reviews.
- Automatisierte Builds, Tests, statische Analysen.
- Geheimnis‑Management (Vault/Secrets), konfigurationslose Artefakte.
- Datenbank‑Migrationsstrategie, reversible Migrations/Backups.
- Staging‑Auto‑Deploy; Produktion mit Approvals und Change‑Logs.
- Rollback‑Plan, Monitoring/Alerting (APM, Log‑Aggregation, Uptime).
Launch‑Checkliste (DE‑spezifisch):
- DNS/SSL/TLS, HSTS, HTTP→HTTPS‑Redirects
- 301‑Redirect‑Matrix, Canonicals, Sitemaps, Robots
- Zahlungsarten live getestet (inkl. Fehlpfade, 3‑D‑Secure), Rechnungs‑PDF, USt‑Ausweis
- Versandlabel/Tracking, Retouren‑Workflow, E‑Mail‑Zustellung (SPF, DKIM, DMARC)
- Rechtstexte final, Cookie‑Banner/CMP live, Consent‑Logs
- Preisangaben‑VO: Grundpreise, Lieferzeit, Versandkostenhinweis
- Admin‑Rechte/Rollen, 2FA, Audit‑Logs
- Backup/Snapshot vor Go‑Live, Monitoring und Incident‑Runbook
- Hypercare‑Fenster (24–72 h), Handlungsplan für P0‑Issues
So bleibt der Go‑Live planbar – mit klaren Qualitätskriterien und einem abgesicherten Weg zurück, falls etwas Unvorhergesehenes passiert.
5) Zusammenarbeit, White‑Label und Übergabe an das Content‑Team
Agenturen arbeiten oft in gemischten Teams. Ein erfahrener Tech‑Partner strukturiert diese Zusammenarbeit so, dass Sie vor Ihren Kundinnen und Kunden souverän auftreten – ob als Generalunternehmer oder im Teilprojekt.
Zusammenarbeitsmodelle:
- Komplettprojekt: Tech‑Partner verantwortet Umsetzung, Integrationen, DevOps; Agentur führt Strategie, Design, Content und Kundenkommunikation.
- Teilprojekt: z. B. Checkout‑Refaktor, PIM‑Anbindung, Performance‑Sprint. Klare Modul‑Grenzen, definierte Schnittstellen, gemeinsame Repo‑Richtlinien.
- RACI‑Matrix: wer ist Responsible/Accountable/Consulted/Informed je Deliverable.
White‑Label‑Kommunikation:
- Ein Ansprechpartner auf Tech‑Seite, Kommunikation in Ihrem Namen (E‑Mail‑Alias, neutrale Meeting‑Branding).
- Gemeinsame Slack/Teams‑Kanäle, einheitliches Ticketsystem (Jira/Linear) mit agenturkonformen Workflows.
- Neutrale Dokumentation/Slides, keine Fremdlogos; Protokolle in Ihrem Template.
- Eskalationspfad und SLAs, die Sie an Ihre Endkundschaft weiterreichen können.
Übergabe an das Content‑Team der Agentur:
- Redaktionshandbuch: Komponenten‑Bibliothek, Module, Do’s & Don’ts, Content‑Governance.
- Schulung: 60–90 Min. Trainings inkl. Aufzeichnung, Cheat Sheets, Anwendungsbeispiele.
- Benutzer‑ und Rechtekonzept: Rollen, Workflows, Freigaben, Content‑Freeze‑Regeln.
- SEO‑und Tracking‑Guides für Redakteure: Metafelder, strukturierte Daten, UTM/Events.
- Support‑Pfad: wie Tickets erstellt werden, Reaktionszeiten, Wartungsfenster.
Übergabe‑Checkliste (Template):
- Admin‑Zugänge und 2FA eingerichtet, Berechtigungen geprüft
- Redaktions‑Demos und dokumentierte Use‑Cases
- Vorlagen/Blöcke im CMS mit Beispieldaten
- Monitoring‑Dashboards geteilt (Uptime, Fehler, Core Web Vitals)
- Wartungsplan: Sicherheitsupdates, Abhängigkeiten, Release‑Takt
- Abschlussdokumentation (Architektur, Datenflüsse, Schnittstellen, Runbooks)
Transparenz in Zeit und Kosten:
- Sprint‑Reports mit geleisteten Stunden je Rolle, erreichtem Scope und offenen Risiken.
- Frühwarnsystem bei Budgetabweichungen; Empfehlung für CR oder De‑Scope.
- Beispielhafte Stundensätze (zur Orientierung): 95 € Entwicklung, 105 € Beratung/Architektur; Abrechnung nach tatsächlich geleisteten Stunden mit vorab vereinbarter Bandbreite.
Fazit für Ihren Alltag: Wenn Briefing, Zerlegung, Architektur, Delivery und Übergabe als wiederholbare Bausteine organisiert sind, geht die Komplexität raus und das Tempo rein. Ein Tech‑Partner wie JAR Media liefert diese Blaupause white‑label‑fähig und deutschlandspezifisch – damit Ihre Agentur zuverlässig vom ersten Entwurf bis zum Go‑Live performt, ohne Überraschungen im Rücken.